perfmon /rel: die versteckte Zuverlaessigkeitsueberwachung von Windows
Windows protokolliert jeden Absturz, Treiberfehler und Fehl-Patch in einer grafischen Stabilitaets-Zeitleiste ueber Monate — viel lesbarer als die Ereignisanzeige.
Die Zuverlaessigkeitsueberwachung (Reliability Monitor) ist ein verstecktes Bordmittel von Windows, das jeden Absturz, Treiberfehler, fehlgeschlagenen App-Crash und problematisches Update auf einer grafischen Zeitleiste ueber Wochen und Monate auftraegt. Sie kombiniert das, wofuer du in der Ereignisanzeige stundenlang filtern muesstest, zu einer lesbaren Stabilitaetskurve mit einem Index von 1 bis 10. Fuer Admins und Power-User ist das das schnellste Werkzeug, um die Frage zu beantworten: "Seit wann spinnt die Kiste — und was hat sich da geaendert?"
Oeffnen
- Schnellster Weg: Win + R druecken,
perfmon /releintippen, Enter. Das Flag/relstartet die Performance-Ueberwachung direkt im Reliability-Modus. - Alternativ ueber die GUI: Startmenue oeffnen, "Zuverlaessigkeit" tippen und "Zuverlaessigkeitsverlauf anzeigen" waehlen.
- Aus Skripten/Konsole:
perfmon.exe /relfunktioniert in CMD und PowerShell identisch.
Achtung: perfmon allein oeffnet den grossen Leistungsmonitor (Datensammlersaetze etc.) — nur mit /rel landest du in der Zuverlaessigkeitsansicht.
Die Zeitleiste lesen
- Oben siehst du die Stabilitaetskurve mit dem Stabilitaetsindex von 1 (instabil) bis 10 (stabil). Umschaltbar zwischen Tagen und Wochen.
- Symbole in der Zeitleiste: rotes X = kritisches Ereignis (Bluescreen, App-/OS-Absturz, Hardwarefehler), gelbes Ausrufezeichen = Warnung (z. B. fehlgeschlagene Installation/Update), blaues i = Information (erfolgreiche Installation/Update).
- Klick auf einen Tag zeigt unten die Detailtabelle: Quelle, Zusammenfassung, Datum und Aktion. Per Doppelklick (oder "Technische Details anzeigen") bekommst du Modulname, Fehleroffset und Exception-Code — genau das, was du sonst aus der Ereignisanzeige fischen muesstest.
- Der Index ist eine gewichtete, gleitende Berechnung: Aktuelle Fehler druecken den Wert staerker als alte. Bleibt es nach einem Fix ruhig, erholt sich der Index von selbst wieder Richtung 10. Aussagekraeftig ist daher der Trend, nicht die absolute Zahl.
Praktisches Vorgehen bei Stoerungen
- In die Wochenansicht wechseln und den Punkt suchen, an dem die Kurve abknickt.
- Den Tag vor dem Einbruch pruefen: Steht dort ein blaues i (neuer Treiber, Update, Programminstallation)? Das ist haeufig die Ursache — Korrelation per Auge.
- Die roten Eintraege anklicken und auf wiederkehrende Quelle oder fehlerhaftes Modul (z. B. immer dieselbe
.sys-Datei) achten — das deutet auf einen konkreten Treiber. - Ueber "Alle Problemberichte anzeigen" (unten) bekommst du die gesammelte Liste statt der Tagesansicht.
- Mit "Zuverlaessigkeitsverlauf speichern" (unten) exportierst du den kompletten Verlauf als
.xml— ideal zum Mitschicken ins Ticket oder zur Archivierung vor einer Neuinstallation.
Daten fehlen oder Ansicht ist leer?
- Frisch installiertes System: Der Index erscheint erst ~24 Stunden nach der Installation.
- Datensammlung wird von der geplanten Aufgabe RacTask (Komponente RACAgent) getragen. Ist sie deaktiviert, bleibt die Ansicht leer. In einer Administrator-Eingabeaufforderung reaktivieren:
schtasks.exe /change /enable /tn "\Microsoft\Windows\RAC\RacTask"
Kommt ERFOLG/SUCCESS zurueck, sammelt Windows wieder. Auf Windows Server ist die Sammlung oft per Gruppenrichtlinie deaktiviert ("Reliability WMI Provider konfigurieren") — dort muss sie zusaetzlich aktiviert werden.
Fuer Profis: Index per PowerShell auslesen
Die gleichen Daten liefern zwei WMI/CIM-Klassen — perfekt fuer Remote-Checks oder Monitoring ueber viele Rechner, ohne die GUI zu oeffnen:
# Stabilitaetsindex (stuendliche Messpunkte)
Get-CimInstance -ClassName Win32_ReliabilityStabilityMetrics |
Select-Object TimeGenerated, SystemStabilityIndex |
Sort-Object TimeGenerated
# Einzelne Zuverlaessigkeitsereignisse (Crashes, Installs, Fehler)
Get-CimInstance -ClassName Win32_ReliabilityRecords |
Select-Object TimeGenerated, ProductName, SourceName, Message |
Format-Table -AutoSize
Remote geht das mit -ComputerName SERVER01 bzw. ueber eine CIM-Session.
Profi-Tipp: Die Zuverlaessigkeitsueberwachung ist nur ein Lesegeraet — sie repariert nichts und loescht nichts an deinem System. Sie ist damit der ideale erste Griff bei "der PC stuerzt manchmal ab": Du siehst die Historie ohne Risiko. Nutze sie als Wegweiser, gehe dann mit dem gefundenen Modul-/Treibernamen gezielt in die Ereignisanzeige oder zum Treiber-Update. Verlass dich nicht auf den absoluten Indexwert, sondern auf den zeitlichen Zusammenhang zwischen Einbruch und der davor protokollierten Aenderung.